Sommer, Sonne, Strand und Sch***
Wenn man jung ist, dann spielen sich Fantasien über den perfekten Urlaub wahrscheinlich in den Reisfeldern Balis, am Waikiki Beach von Hawaii oder beim Kiwikuscheln auf Neuseeland ab. Fast schon alptraumartig wirken da Erzählungen über Hotelanlagen, Familyparks und Kinderanimation. Wird man älter und hat selbst Kinder, stellt man leider fest, dass man sich hin und wieder mit diesen Alpträumen anfreunden muss, nicht der Kinder, aber dem eigenen Nervenheil zuliebe.
Wir sind jahrelang sehr independent in den Urlaub gefahren. Rein ins Auto, stundenlang der Küste entlang und irgendwann an einem Ort, an dem es uns gefallen hat, haben wir uns ein Zimmer gesucht.
Aktuell geht dem Urlaub eine monatelange Reisplanung voraus. Natürlich haben wir mit den Kids auch schon Urlaube in Häusern und ohne hotelinterne Verpflegung gemacht, aber der ständige Hunger, die Sucht nach Action und Poolrutschen sowie die Ablenkung durch ein straffes Animationsprogramm sorgen zwischenzeitlich dafür, dass wir uns für „typische Familienurlaube“ entscheiden. Familyparks am Meer muss man Monate vorab buchen, ansonsten sind keine Angebote mehr verfügbar oder nur noch Masterpenthousesuiten mit Meerblick und eigenem Pool, die pro Nacht gleich viel kosten, wie die gesamten Bausparverträge unserer Kinder wert sind. So ist es nachvollziehbar, dass mein Mann und ich uns bereits im Jänner den Kopf zerbrechen, wo unsere nächste Reise hingehen soll und welches Budget wir bereit sind, aufzustellen, um eine Woche vermeintlicher Entspannung zu genießen. Denn ganz ehrlich, entspannt ist es nicht, sondern ein einziges Kinderbespaßungsprogramm, das manchmal dazu dient, das schlechte Gewissen zu beruhigen, wenn wir unterm Jahr keine Zeit finden, um jeden Bastel- und Vorlesewunsch unserer Jungs zu erfüllen. Fairerweise muss man anmerken, dass die Verweigerung des Wunsches, ein Minionskostüm zu STRICKEN, um 20:00 – also kurz vorm Schlafengehen – nicht mehr erfüllt wurde, wohl kaum unter Kindesmissachtung fallen wird.
Ein Vermögen für Kinderspaß
Jedenfalls ist unsere Urlaubszeit wirklich nahezu gänzlich für unsere Kinder reserviert, und wir versuchen, ihnen eine schöne Zeit zu bereiten. Dass es umgekehrt leider nicht so ist, versteht sich von selbst angesichts dessen, dass wir unzählige Diskussionen darüber führen, ob man wirklich sieben große Kuscheltiere im Urlaub braucht, oder vielleicht fünf große und zwei kleine auch reichen.
Es ist also so, dass wir im Jänner meist schon unsere „große“ Urlaubsplanung aufstellen, kleinere Zwischentrips geschehen eher kurzfristig, der Rest erfordert doch frühzeitige Buchung. Wir waren auch bereits zweimal in Häusern am Meer, was wirklich wunderschön ist, diese sind aber dann am Besten schon im Vorherbst zu buchen, da die Nachfrage einfach riesig ist. So kommt es dann auch, dass wir im Jänner eigentlich ohnehin nur noch die Möglichkeit für ein Familienhotel haben. Ist die Unterkunft gebucht, sind wir erst mal erleichtert und die Kinder kurz zufrieden gestellt. Auf Nachfragen, warum wir nicht länger Urlaub machen, wenn eine Nacht eh „nur“ 650 Euro kostet, geh ich prinzipiell nicht mehr ein. Erklärungen, dass 650 Euro ungefähr so viel sind wie 20 neue Legopakete oder 320 Kugeln Eis, interessieren die Kids nur wenig.
Gepäckdesaster: Beginn 4:00
Der erste kleine Nervenzusammenbruch kündigt sich dann in den Tagen vor der Abreise an. Die Bitte an meinen Mann, rechtzeitig jene Kleidungsstücke, die er gerne frisch in den Urlaub mitnehmen würde, VOR die Waschmaschine zu legen, bleibt natürlich ungehört. Rund 12 Stunden vor Abfahrt beginnt er dann wie ein Rumpelstilzchen durchs Haus zu hüpfen und sich über seine unauffindbaren Shorts im Schrank zu beklagen. Dass er diese am Boden des Schmutzwäschekorbs ihrem Schicksal überlassen hat, fällt ihm natürlich nicht ein. Bis dahin habe ich meist meinen Koffer und jene der Kinder gepackt, zuzüglich eines Koffers mit Spielsachen, eine Reisetasche mit Proviant für die Rückbank, die Badetasche, weil Check-In meist erst später möglich ist, die Kopfhörer für die Hörspiele der Kinder aufgeladen, die Hörspiele aufs Tablet runtergeladen, ihre Wasserflaschen gefüllt und gekühlt, die Vignette fürs Ausland besorgt und das Auto nochmals gesaugt. Mein Mann dankt es mir mit einer kleinen Aufmerksamkeit – in Form eines mürrischen Satzes, wozu ich überhaupt das Auto putze, wenn es im Urlaub ohnehin wieder schmutzig wird. Rund acht Stunden vor Abfahrt sind wir also bereits in bester Urlaubsstimmung, die dann getoppt wird, wenn wir schlaftrunken um 4:00 Uhr ins Auto steigen, die Kinder aus ihren Betten raus in die Sitze heben und wortlos unser Haus für die nächsten sieben Tage verlassen. Es dauert dann meist keine 30 Minuten, bis sich mein Mann über das viele Gepäck beschwert und feststellt, dass er am wenigsten von uns allen eingepackt hat. Punkt für ihn, anzumerken ist jedoch, dass er im Urlaub sich wiederum darüber beklagt, dass er mindestens zwei Shorts zu wenig und keine einzige Jacke oder geschlossene Schuhe mitgenommen hat.
Im Urlaub angekommen
Wir fahren mit gefühlt 150kg Gepäck – aufgeteilt auf jeden Quadratzentimeter in und auf dem Auto – der Sonne entgegen. Leider geht die Fahrt meist nicht sehr lange, denn schon nach rund 1,5 Stunden stecken wir für gewöhnlich im ersten Stau, den Mann mit einem „seit wann staut es sich denn hier“ quittiert. Und ja, es ist immer dieselbe Stelle bzw. Region, in der wir mitten in einer Blechlawine stecken, die sich nicht mehr fortbewegt. Das hört sich wahnsinnig mühsam an, aber ich muss sagen, Stau ärgert uns zwar, aber mittlerweile quengeln zumindest unsere Kinder nicht mehr. Solange der Akku bei den Kopfhörern mitmacht und die Hörspiele in Dauerschleife laufen, ist auf der Rückbank die Welt in Ordnung. Und, worauf ich fast ein bisschen stolz bin, wir schaffen auch fünfstündige Autofahrten ohne Klopause. Ok, aus gesundheitstechnischer Sicht ist es wahrscheinlich besser, regelmäßig die Blase zu entleeren, aber dieses eine Mal im Jahr sind wir einfach froh, schnellstmöglich und ohne lange Toilettengänge unser Ziel zu erreichen. Am Urlaubsziel angekommen, freuen sich die Kinder immer schon wahnsinnig auf den Pool, während ich an den vielen Krümeln, Papierstücken und Schokoresten auf den Autositzen verzweifle. Währenddessen hievt mein Mann schon die Koffer aus dem Auto, schleppt diese zur Rezeption, nur um dann wieder die Info zu bekommen, dass die Zimmer erst ab 15:00 Uhr fertig seien, wir bis dahin aber sehr wohl die Poollandschaft nutzen könnten. Retour mit den Koffern ins Auto, Kinder beruhigen, die glauben, man fährt schon wieder nach Hause, Badesachen auspacken – nun zählt jede Sekunde, nachdem das Thermometer bereits 32 Grad misst. Irgendwann haben wir es dann geschafft und stehen mit Taschen, Badetüchern und Sonnencreme bewaffnet vorm Schwimmbecken. Während die Kinder ohnehin einfach reinspringen, sich um UV-Schutz genauso wenig scheren wie um die anderen Poolbenutzer, die sie direkt anspritzen, versuchen wir das Unmögliche möglich zu machen: An einem Urlaubsort eine freie Liege um die Mittagszeit zu ergattern. Nachdem meinem Mann die Aussichtslosigkeit dieses Plans schneller bewusst wird als mir, setzt er sich wortlos an die Bar, während ich weiter hinter jeder Hecke schaue, ob sich nicht doch eine leere Liege irgendwo findet. Dabei schimpfe ich über die Urlauber, die bereits in aller Herrgottsfrüh die Liegen mit Handtüchern besetzt haben. Spoiler: Ab Urlaubstag 2 werde ich ebenso panisch und lege bereits um 7:00 Uhr die Badetücher auf. Derweilen geben wir uns mit effizienten 50cm² zufrieden und breiten unsere Badetücher nicht nebeneinander, sondern übereinander aus, aber zumindest haben wir es geschafft, endlich im Urlaub „anzukommen“.
Hoffnung Kinderklub?
Und dann ist da dieser Moment am Pool, der sich anfühlt wie eine schlechte Hollywoodkomödie. Kaum hat man die Badetasche abgestellt, zerreißt es einen innerlich in alle Richtungen. Ein Kind stürmt mit einem Gebrüll auf die Rutschen los, als gäbe es dort nur heute und nur jetzt die einmalige Chance auf Glück. Das andere hat sich inzwischen ein Eis organisiert, das weniger im Mund als vielmehr auf Bauch, Badehose und Handtuch landet. Irgendwo dazwischen taucht ein aufblasbarer Flamingo auf, auf den plötzlich mehrere Kinder gleichzeitig Anspruch erheben, obwohl ihn vor fünf Minuten noch niemand haben wollte. Während ich versuche, endlich die Sonnencreme auf jene Körper zu verteilen, für die sie gedacht ist und meine Kinder vor einem Sonnenbrand dritten Grades zu bewahren, verschwindet das andere beim Kinderschminken. Ohne Vorankündigung, ohne Blick zurück, einfach weg.
Ich laufe also in Dauerschleife zwischen Rutschen, Eisstand, Poolrand und Schminktisch hin und her, nicke anderen Müttern zu, die denselben leicht gehetzten Blick haben, und frage mich, ob ich mich dem Mantra meines Mannes „Es sind ja Kinder“ einfach ergeben soll. Dann kommt endlich der Moment, in dem meine Kinder den im Urlaub bedeutendsten Satz sagen: „Wir gehen jetzt in den Kinderklub.“
Mein Mann und ich stimmen natürlich zu, ich bringe sie zu den mit einem Lächeln wartenden Kinderanimateuren und versuche selbst, mein breites Grinsen zu unterdrücken. Übergabe erfolgreich. Die Kinder winken. Die Tür schließt sich. Stille.
Ich schaffe es tatsächlich, mich auf eine Liege zu setzen, mein Buch aufzuschlagen und exakt drei Seiten zu lesen. Dann stehen sie wieder da. Beide. Leicht empört. Der Kinderklub sei zwar nett, aber die anderen Kinder würden nicht auf sie hören. In solchen Momenten schwanke ich zwischen dem Wunsch, pädagogisch wertvoll zu reagieren, und dem sehr menschlichen Impuls, so zu tun, als hätte ich sie nicht gesehen. Ich entscheide mich für Ersteres, klappe das Buch zu und bin wieder voll im Dienst.
Von kleinen Buffetraupen zum Sandmännchen
Das Buffet am Abend ist dann die nächste Disziplin im olympischen Mehrkampf des Familienurlaubs. Kinder, die tagsüber scheinbar ausschließlich von Eis, Pommes und Luft gelebt haben, stehen plötzlich vor einer Auswahl von zwanzig warmen Gerichten und wissen nicht, was sie essen sollen. Diskussionen darüber, ob Nudeln ohne Sauce nicht vielleicht doch besser wären als Nudeln mit Sauce, ziehen sich endlos. Teller werden überfüllt, dann doch nicht gegessen, Gläser kippen um, Besteck fällt zu Boden, und irgendwo zwischen Salatbar und Dessertstation verliere ich kurzzeitig den Überblick, welches meiner Kinder gerade wohin verschwunden ist.
Am Ende des Tages fallen wir alle ins Bett. Wortwörtlich. Müde, leicht überzuckert, sonnenverbrannt und mit diesem dumpfen Gefühl in den Beinen, das signalisiert, dass man heute eindeutig mehr gelaufen ist, als gut gewesen wäre. Das gebuchte Familienzimmer entpuppt sich dann als netter Gedanke, aber nicht als Lösung. Die Kinder schlafen nämlich keineswegs brav in ihren eigenen Betten, sondern finden nachts zuverlässig den Weg zu uns. Füße im Gesicht, Ellbogen in den Rippen, Atem direkt am Ohr – alles wie gehabt.
Und trotzdem, oder vielleicht gerade deshalb, liegt in diesem Moment eine seltsame Form von Glückseligkeit. Wenn endlich Ruhe einkehrt, man das gleichmäßige Atmen der Kinder hört und weiß, dass sie da sind, sicher, zufrieden, wenn auch quer über das Bett verteilt. Dieser Urlaub ist nicht planbar, nicht effizient, nicht erholsam im klassischen Sinn. Aber er ist echt. Und vielleicht ist genau das das Einzige, was man als Familie wirklich tun kann: loslassen, nicht alles kontrollieren wollen und diese chaotischen, lauten, anstrengenden gemeinsamen Momente einfach leben.
Kreativ-informatives Service Statement (KISS):
Lass Urlaub Urlaub sein. Ärger dich nicht über jene Dinge, die dir im Alltag schon den Nerv rauben.
Denk daran, du bist zumindest nicht dafür verantwortlich, was es zu essen gibt und musst im Normalfall auch nicht den Haushalt erledigen. Kinder erinnern sich später jedenfalls an gemeinsame Familienerlebnisse und werden daraus wichtige Erfahrungen für ihr weiteres Leben ziehen!
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Autorinnen: Daniela Fürstauer-Schmölzer & Sabrina Staudacher
Erscheinungstermin: Oktober 2026
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