Die Oberdrautaler Flößer bewahren ein jahrhundertealtes Handwerk, das vom harten Beruf zum UNESCO-Kulturerbe wurde.
„Früher war die Flößerei ein Beruf. Das Holz ist in den Wäldern entlang der Flüsse gewachsen, gebraucht wurde es in den Städten als Bau- und Brennmaterial. Transportieren konnte man es damals nur über das Wasser“, erzählt Johann Kuhn, Obmann der Spittaler Flößer. Erst mit Eisenbahn, Straßenbau und Lastwagen verschwand dieser Wirtschaftszweig. „Die letzten Holzfloße auf der Drau sind Anfang der 1950er-Jahre gefahren.“
Damit das Wissen um dieses Handwerk nicht verloren geht, wurden die Oberdrautaler Flößer gegründet. Heute besteht der Verein aus den Ortsgruppen Dellach im Drautal, Berg im Drautal, Greifenburg, Sachsenburg sowie Spittal-Baldramsdorf. Gemeinsam veranstalten sie jedes Jahr die Oberdrautaler Flößertage als Erinnerung an ein gelebtes Handwerk.
Ein Floß einbinden
Schon der Bau eines Floßes verlangt Erfahrung. Rund zehn Personen arbeiteten am vergangenen Donnerstag gemeinsam daran, die Stämme nach alter Technik „einzubinden“. „Es gibt nichts Schöneres, als ein paar Tage auf dem Floß unterwegs zu sein – besonders, wenn man es selbst zusammengebaut hat“, sagt Kuhn. Die rund 55 Kilometer lange Strecke von Oberdrauburg bis Spittal ist dabei weit mehr als eine Fahrt auf dem Fluss. Sie ist eine Reise in die Geschichte Oberkärntens. Heuer waren neben den sechs Oberdrautaler Floßen auch wieder Gäste aus Deutschland mit dabei. Die Schildacher Flößer bauten ein Floß nach Oberdrautaler Vorbild und nahmen an der Fahrt teil.
Fotocredit: © Verein Oberdrautaler Flößer
Vom Beruf zum UNESCO-Kulturerbe
Dass die Flößerei heute noch erlebbar ist, ist dem jahrzehntelangen Engagement zahlreicher Ehrenamtlicher zu verdanken. 2014 wurde das Wissen um die Flößerei auf der Oberen Drau in das österreichische Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes aufgenommen. Acht Jahre später folgte die internationale Anerkennung: Gemeinsam mit Deutschland, Spanien, Tschechien, Polen und Lettland wurde die Flößerei 2022 von der UNESCO als Immaterielles Kulturerbe der Menschheit ausgezeichnet.
Für Kuhn ist diese Anerkennung Bestätigung und Auftrag zugleich. „Wir machen das, um das Wissen um diesen Beruf aufrechtzuerhalten. Jahrhundertelang hat das ganze Tal davon gelebt.“
Gemeinschaft, die verbindet
Bei jeder Zwischenstation entlang der Drau wurden die Flößer von den örtlichen Vereinen mit einem Flößerfest empfangen. Den Abschluss bildete wie in jedem Jahr die Ankunft der Floße am Sonntag in Spittal und das anschließende Flößerfest am Ufer der Drau oberhalb der Schwaiger Brücke.
Der 2022 neu organisierte Verein der Spittaler Flößer zählt inzwischen rund 90 Mitglieder – etwa ein Drittel davon ist aktiv im Einsatz. Die größte Herausforderung für die Zukunft sieht Kuhn im Nachwuchs. Viele junge Menschen seien beruflich stark eingebunden und könnten sich nur eingeschränkt engagieren. Umso wichtiger seien deshalb auch die unterstützenden Mitglieder.
Wer das Flößertreffen heuer verpasst hat, habe laut Kuhn vor allem eines versäumt: „Gute Laune.“
Oberdrautaler Flößertage auf einen Blick
Strecke: Rund 55 Kilometer von Oberdrauburg bis Spittal an der Drau
Teilnehmende Floße 2026:
- Dellach im Drautal
- Berg im Drautal
- Greifenburg
- Sachsenburg
- Spittal-Baldramsdorf
- Gastfloß der Schildacher Flößer (Deutschland)
Besonderheit:
Alle Floße werden nach historischer Bauweise von Hand eingebunden und mit traditioneller Rudertechnik gesteuert.
UNESCO-Kulturerbe:
- 2014: Aufnahme in das österreichische Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes
- 2022: Anerkennung als UNESCO-Immaterielles Kulturerbe der Menschheit gemeinsam mit Deutschland, Spanien, Tschechien, Polen und Lettland.