12. Oktober 2026

News Oberkärnten

Violas Wahrheit über die Wahrheit #15

Im Namen des Glaubens, Teil #15

Es beginnt mit dem Erdumfang.

Es beginnt mit dem Erdumfang.

Viola erklärt ihrem Vater, dass es einen Polumfang und einen Äquatorumfang gibt. Sein Kommentar:

„Sie ist genauso stur wie meine Schwester. Genauso. Eigenartig!“

Viola schreibt danach:

Ich hasse ihn. Ich hasse es, wenn jemand etwas anfechtet, was wahr ist. Ich bin gerne wie seine Schwester Maria, die immer dagegenredet. Dann bin ich nicht so bescheuert wie der Rest der Familie.

Ein Streit über Geografie. Aber eigentlich über etwas ganz anderes: über das Recht, recht zu haben. In der Welt der Zeugen Jehovas gilt Autorität als gottgegeben – die des Vaters, die der Ältesten, die der Organisation. Wer widerspricht, ist nicht klüger. Wer widerspricht, ist stur. Viola hat das verinnerlicht und kämpft gleichzeitig mit aller Kraft dagegen an.

02.01.1988: Ich hasse Inkonsequenz, Ziellosigkeit, niedrige bis fehlende Intelligenz durch Selbstverschulden, Heuchelei, Gemeinheiten, Väter, die glauben, daß Kinder in einer Diskussion nie im Recht sein können, weil sie zu blöd dazu sind. Was auch passiert, zu meiner Hochzeit wird mein Vater nicht eingeladen.

Viola ist ein Teenager, Streitereien mit den Eltern gehören dazu, aber dennoch spürt man, dass das hier etwas anderes ist. Bereits damals hat sie mit ihrem jehovagetreuen Vater abgeschlossen.

Derweil zieht Walters Stern weiter auf. Er wird gemeinsam mit Violas Bruder Martin nach Wien gehen, in eine Wohnung bei „den Brüdern“ – Ausbildung, Gemeinschaft, Gehorsam. Walter, so Viola, hat großen Gehorsam gegenüber seinen Eltern. Für sie klingt das nach Verlässlichkeit. Nach jemandem, der bleibt.

Martin reist Anfang Jänner ab. Viola muss sich von ihm verabschieden – von dem Bruder, an dem sie hängt, der ihr in dieser Welt einer der wenigen echten Anker war. In dieser Nacht kehren die Träume zurück.

Von Würfeln und Kugeln, die zuerst ganz klein waren und dann mit riesengroßer Geschwindigkeit auf mich zukamen und mich erschlugen und erdrückten.

Immer dieselben Bilder. Immer dieselbe Botschaft. Und niemand, dem Viola sie zeigen könnte.

In der nächsten Folge: Walter rückt näher.

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