25. August 2026

News Oberkärnten

Kalkül eines durstigen Zeitalters

Das große KI-Versprechen: Wohlstand für alle. Doch: Zahlen wir dafür jetzt schon den Preis?
Inhalt:

Zwischen Elon Musks Wohlstandsversprechen und der 380kV-Leitung: Was der KI-Boom für Kärnten wirklich bedeutet

Er liebt es, zu provozieren. Er ist aber wahrscheinlich auch ein Genie seiner Zeit, das seinesgleichen sucht. Die Rede ist von Elon Musk, der nicht nur bereits mindestens 14 Kinder mit exotischen Namen wie Exa Dark Sideræl oder Techno Mechanicus in die Welt gesetzt, sondern sich auch mit E-Autos, KI und Raketen ein Denkmal geschaffen hat. Der reichste Mann der Welt, der sich bereits wenig erfolgreich in der Politik versucht hat, war es auch, der vor Kurzem wieder einmal aufhorchen ließ – und die Welt, diskutiert, staunt und zeigt sich zeitweise auch verängstigt: die Menschen werden – so Musk – in rund 10 Jahren nicht mehr zwingend arbeiten müssen, Roboter könnten Wohlstand schaffen, in dem Geld praktisch keine Rolle mehr spielt. Ob Musk hier aus Kalkül mit einer radikalen Zukunftsvision spielt, oder tatsächlich wie die griechische Kassandra mit der Gabe der Weissagung ausgestattet ist, wird sich wohl erst in 10 Jahren sagen lassen. Fest steht jedenfalls, dass er nach dem glorreichen Börsengang von Space X im Juni 2026 nun gegen einen Abwärtstrend der Aktie kämpfen muss, etwas Publicity schadet da zumindest nicht.

Ungeachtet dessen müssen wir uns jedoch zunehmend die Frage stellen, wo uns Künstliche Intelligenz – KI – tatsächlich hinbringt? Wird es tatsächlich mehr Wohlstand geben – für alle Teile der Erde -, wird die KI menschliche Arbeitsleistung ersetzen, und wie können wir unser Menschsein bewahren? Es sind dies Fragen, die sich viele Experten wohl schon länger stellen, die sich mittlerweile aber auch Otto Normalverbraucher an der Spar-Ecke in Spittal aufdrängen. Wer von uns hat noch nie ChatGPT genutzt? Wer geht nicht auch gern den schnellen Direktweg und lässt sich von der KI einen Text erstellen oder ein Foto generieren? Bei den Antworten auf diese Fragen gibt es Hardliner auf beiden Seiten der Pro und Contra – Medaille. Befürworter der KI wie Elon Musk glauben schon längst zu wissen, dass ohne Künstliche Intelligenz kein Auskommen mehr sein wird. Entweder man lernt, mit oder neben ihr zu leben, oder man wird verlieren. Die harten Gegner von KI wehren sich vehement dagegen, diese in ihren Arbeitsalltag zu integrieren – mit der möglichen Konsequenz, dass die Konkurrenz schneller Ergebnisse liefern kann.
Dass das Persönliche, das Emotionale, das Individuelle durch den Einsatz von KI-Systemen verloren geht, kann man nicht leugnen. So oder so, KI ist ein Thema, das mittlerweile kein Randthema irgendwelchen IT-Nerds oder Zukunftsforschern ist, es ist allgegenwärtig.
Grund genug, uns – nachdem wir keine Wahrsager noch Technikgenies sind – mit ein paar harten Fakten rund um das Thema KI und den damit verbundenen Energiebedarf auseinanderzusetzen.

Künstliche Intelligenz arbeitet schnell und unglaublich effizient, eine ChatGPT-Anfrage wird in wenigen Sekunden verarbeitet und spukt die ersten Ergebnisse aus.

Die Wenigsten wissen, dass eine Anfrage an ChatGPT rund 2,9 Wh benötigt – eine herkömmliche Google-Suche lediglich 0,3 Wh. Der Strombedarf liegt somit rund 10x höher. Bei rund 2,5 Milliarden Anfragen pro Tag ergibt das einen Strombedarf von rund 7,5 Mio Kilowattstunden am Tag. Diese Zahlen sind nur für ChatGPT ausgewiesen, bedenkt man noch andere KI-Systeme, muss man diese Angaben weit nach oben schrauben!

Was viele nicht am Schirm haben: Künstliche Intelligenz benötigt, damit sie funktioniert, Unmengen an Ressourcen – von Strom angefangen bis hin zu Wasser und all das in immer größeren Mengen. Laut der Internationalen Energieagentur wird sich der weltweite Strombedarf neuer Rechenzentren bis 2030 verdoppeln, die USA rechnen damit, dass 17% des gesamten Stromverbrauchs bis dahin durch Rechenzentren verursacht werden, Deutschland geht von 10% aus.

KI ist eine Nimmersatt-Technologie und mitunter auch dafür verantwortlich, dass wir uns gefühlt in einem Wettlauf im Bereich der Stromgewinnung befinden.

Die geplante 380kV-Leitung, die bekanntermaßen durch ganz Kärnten gehen soll, reiht sich da nahtlos ein. Vielerorts regt sich natürlich Widerstand gegen die damit einhergehende Verbauung von Wäldern, Wiesen und sonstigen Freiflächen. Wer möchte denn schon morgens aufwachen und statt über die herrliche Landschaft Oberkärntens in ein bis zu 90m hohes Betonungetüm blicken, das mit seinen Leitungen das heimische Idyll zerstört? Wer möchte aber auch komplett auf den Einsatz von KI verzichten, wer ist tatsächlich bereit, seinen Stromverbrauch zu reduzieren? Wir sind mittlerweile in vielen Bereichen von Strom abhängig, die letzten Jahre wurden dazu genutzt, um die Bürger fast schon zu geißeln, sich Elektroautos anzuschaffen. Kräftige Förderungen und Steuervorteile lockten. Mittlerweile preschen Kinder mit E-Scootern täglich durch die Straßen, obwohl gesunde Bewegung die bessere Alternative wäre.

Wir haben es jenen, die vom enorm hohen Strombedarf profitieren, einfach zu leicht gemacht.

Nun sind Tür und Tor geöffnet, ob wir diese wieder schließen können, bleibt angesichts des Durstes der Künstlichen Intelligenz zu bezweifeln. Dass es zusätzlich über die sogenannte „EU-Strombinnenmarktverordnung“ die Verpflichtung gibt, 70 Prozent der Übertragungskapazitäten für den grenzüberschreitenden Handel zur Verfügung zu stellen, zeigt nochmals die Krux, in der wir uns befinden. Kärnten deckt seinen aktuellen Strombedarf bilanziell zu 100% aus Erneuerbaren Energien. Die APG, die Projektwerberin hinter der 380kV-Leitung, drängt jedoch massiv auf die Umsetzung der 380kV-Leitung. Dass im Hintergrund über die 71-seitige EU-Verordnung über den Elektrizitätsbinnenmarkt zur Erfüllung der 70 Prozent – Quote wohl auch genügend Druck ausgeübt wird, scheint durchaus nachvollziehbar. Es erscheint ein Kampf David gegen Goliath. Private Bürgerinitiativen, die sich gegen ein mächtiges Energieversorgungsunternehmen stellen, legen dem Vorhaben zumindest Steine in den Weg. Ob die APG diese Steine beseitigen wird können oder einen Umweg einschlagen wird müssen, bleibt abzuwarten. Fakt ist jedenfalls, dass die APG an der 380kV-Leitung – in welcher Form auch immer – festhalten wird, auch um die EU-Vorgaben zu erfüllen. Derweilen wird sich die KI wohl weiter an unseren Stromreserven laben, oder irgendwer findet einen intelligenten Weg, um diese sinnvollerweise dafür zu nutzen, das Problem des wachsenden Strombedarfes zu lösen, ohne Land und Natur über Generationen hinweg zu belasten!
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