11. Juli 2026

News Oberkärnten

Violas Wahrheit über die Wahrheit #2

Im Namen des Glaubens, Teil #2

Viola wächst in den 80ern auf. Es ist das Jahrzehnt der Neonfarben, Schulterpolster und Walkmen.

Viola wächst in den 80er-Jahren auf. Es ist das Jahrzehnt der Neonfarben, Schulterpolster und Walkmen. Sie ist ein Kind, das Tiere liebt, Zeit mit ihren Geschwistern verbringt, strickt, in der Natur spazieren geht und sich über ein gutes Essen freuen kann.

Als 10-Jährige bekommt sie von ihrer Tante ihr erstes Tagebuch geschenkt – ein unscheinbares Heft, das zu einem einzigartigen Zeugnis ihres Lebens werden soll. Zunächst füllt sie es mit dem, womit Kinder Tagebücher füllen: Zahnarzttermine, Kinobesuche, Schulnoten, kleine Abenteuer.

21.4.1983: Am Nachmittag war ich im Kino. Mit Freunden sahen wir den Film „E.T.“

26.4.1983: Am Nachmittag habe ich in der Musikschule nicht viel gelernt. Es waren die Tonleitern für die Gitarre in erster Lage zu lernen.

16.5.1983: Zu Mittag gingen wir ins Restaurant essen. Danach wanderten wir auf die Karawanken. Der Bernhardiner wollte unbedingt mit uns spielen. Wir besichtigten den Stall und die Scheune.

Man liest das und denkt: Ein ganz normales Mädchen. Ganz normale Sorgen. Ganz normales Leben.

Dann blättert man weiter.

25.7.1983: Wir fingen noch am selben Abend an auszupacken, um für den Landeskongress zu packen.

31.7.1983: Der Kongress war sehr interessant und aufbauend. Es wurden über 100 Personen getauft.

3.8.1983: Am Abend hatte ich meine 1. Ansprache. Mutti war meine Partnerin. Ich war sehr aufgeregt, weil ich im Hauptsaal hatte. Auf die Ansprache bekam ich ein „Gut“, obwohl man bei der ersten Ansprache normalerweise keine Zeichen bekommt.

Eine Zehnjährige. Ihr erster öffentlicher Vortrag vor der Gemeinde. Bewertet. Benotet. Geformt.

In Violas Tagebüchern finden sich unzählige solcher Einträge. Zwischen Gitarrenstunden und Kinobesuchen tauchen sie immer wieder auf: Kongresse, Ansprachen, Versammlungen. Nicht als Ausnahme – als Takt, nach dem sich nicht nur das Leben ihrer Familie, sondern vor allem ihr eigenes richtet. Was nach außen wie eine glückliche Kindheit in den 80ern aussieht, folgt einem unsichtbaren Rhythmus. Und der gibt vor, wer Viola sein darf.

In der nächsten Folge: Erste Verliebtheiten.

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