Die Kirchtagszeit läuft an – die wichtigste Saison der Kärntner Trachtenbranche. Beim Kärntner Heimatwerk, seit einem Jahr in der Hand der Familie Gritzner, geht es dabei um weit mehr als um Dirndl und Lederhose.
Jedes Wochenende ein Fest, jedes Tal seine Feier: In Kärnten hat die Kirchtagszeit begonnen. Ihr Höhepunkt steht schon im Kalender – von 26. Juli bis 2. August verwandelt sich die Villacher Altstadt zum 81. Mal in Österreichs größte Brauchtumsarena. Rund 450.000 Besucher werden erwartet. Am Kirchtagssamstag, dem 1. August, zieht der große Trachtenfestzug durch die Innenstadt.
Für Petra Morgenstern ist das kein Termin unter vielen. „Die Kirchtagssaison ist eine ganz wichtige Saison in der Trachtenbranche, vor allem der Villacher Kirchtag“, sagt sie. Ihr Haus nimmt heuer an der Modeschau teil, bei der die großen Trachtenhäuser des Landes zeigen, was sie können.
Ein Kulturerbe, das fast verschwunden wäre
Dass es das Kärntner Heimatwerk überhaupt noch gibt, ist keine Selbstverständlichkeit. Im Frühjahr 2025 stand in den Medien, dass dem 1953 gegründeten Traditionshaus mangels Nachfolge das Aus droht. Sylvia Gritzner, Petras Mutter, ließ der Gedanke nicht mehr los. „Sie hat gesagt, sie hat ein paar Nächte lang nicht geschlafen“, erinnert sich Petra. Was da wegzubrechen drohte, war nicht nur ein Geschäft: Auf viele Stoffe hält das Heimatwerk Patente. Verschwindet das Haus, verschwinden auch die Stoffe – und damit die Möglichkeit, bestimmte Trachten überhaupt noch zu fertigen.
Petra Morgenstern über den drohenden Verlust des Heimatwerks
Die Tracht als Ausweis der Herkunft
Genäht wird an drei Standorten, das Schneiderteam wächst laufend und soll künftig wieder Lehrlinge ausbilden. Petras Ziel: alles im eigenen Haus fertigen. „Die Leute sollen sagen können: Ich möchte den und den Stoff, und wir machen das.“
Warum das aufwendig bleiben muss, erklärt sie an der Sache selbst. Trachten wurden vor Jahrzehnten eigens für ein bestimmtes Tal entworfen, nach klaren Vorgaben. „Das Einzigartige ist der Bezug zur Heimat, zur Gemeinde oder zum Tal“, sagt sie. Kenner erkennen sofort, woher jemand kommt. Tracht ist Identität – ein Ausweis, wenn man so will, den man anziehen kann.
Und der hält. Eine gute Tracht bleibt Jahrzehnte im Kasten, wird geändert und weitergegeben. „Die Preise stampfen nicht aus dem Boden, da steckt Handarbeit und Zeit drin.“
Petra Morgenstern über Tracht im Alltag
Dass die Jungen abspringen, fürchtet Petra nicht. Land- und Kirchenjugend wachsen wieder, dort ist Tracht selbstverständlich. Wer einmal spürt, was so ein Gewand mit einem macht, kommt später von selbst. Getragen wird sie ohnehin längst nicht nur zum Kirchtag, sondern zu Hochzeiten, Taufen, Geburtstagen. „Sitzen muss es. Dann kann man überall hingehen.“