„Wenn's authentisch ist, spüren das die Leute.“
„Es wäre doch lustig, einen Song darüber zu schreiben.“ Dieser Satz wurde in einem Gespräch eher nebenbei ausgesprochen, daraus entwickelte sich aber tatsächlich Monate später einer der meistgehörten Sommerhits in den sozialen Medien. Hinter „I hol den Bagger“ von Die Puschl steckt nicht nur jede Menge Charakter und Humor, sondern auch die Handschrift eines Oberkärntners: Musiker, Produzent und Songwriter Michael Gritzner. Im Gespräch mit NOK+ erzählt er, warum gute Ideen Zeit brauchen, weshalb ein Tonstudio auch zwischenmenschliches G’spür braucht und warum Authentizität heute wichtiger ist denn je.
„Bianca Puschl habe ich bei einem Servus-TV-Dreh kennengelernt. Sie ist eigentlich Content Creator und Fotografin. Ich habe sie von Instagram schon gekannt und wusste, dass sie Reels mit ihrem Pferd „Pferdinand“ aufgenommen und damit unglaubliche Reichweiten erzielt hat. Sie hat damals zu mir gesagt, wie lustig es wäre, einmal einen Song über die „Baumpflanz-Challenge“ zu machen, für die sie mehrmals nominiert wurde. Ich habe ihr gesagt, sie soll sich einfach melden, wenn sie Lust hat, und ein paar Monate später hat tatsächlich das Telefon geläutet“, erzählt Michael.
Was folgte, war kein minutiös geplanter Hit, sondern ein kreativer Prozess mit viel Spontanität und Vertrauen. „Wir haben zuerst überlegt: Worum soll es überhaupt gehen? Klar war nur, dass es lustig sein muss. Bianca hat dann angefangen zu texten, ich habe ihre Ideen in Form gebracht, die Musik dazu entwickelt und schließlich haben wir produziert.“
Dass Bianca Puschl davor noch nie in einem Tonstudio gestanden hatte, machte die Sache nicht einfacher, aber umso authentischer. „Viele haben beim ersten Mal Angst, ob das überhaupt etwas wird. Als Tontechniker brauchst du viel Gespür für die Menschen. Bianca wurde dann im Laufe der Aufnahme-Session immer lockerer und sicherer. Bei diesem Lied war auch nicht perfekte Gesangstechnik entscheidend, sondern die Figur ‚Puschl‘ und ihr Charakter. Genau das macht den Song aus und das konnte Bianca perfekt verkörpern.“
Fotocredit: © Privat
Der Moment, in dem plötzlich alles funktioniert
Wer schon einmal Musik aufgenommen hat, kennt ihn vielleicht: diesen einen Augenblick, in dem plötzlich alles zusammenpasst. Für Michael Gritzner ist genau dieser Moment etwas Besonderes an seiner Arbeit: „Irgendwann macht es beim Künstler plötzlich Klick. Er versteht, was du als Produzent meinst, fühlt den Song und merkt selbst: Jetzt war das ein richtig guter Take.“
Dass „I hol den Bagger“ später in den sozialen Medien derart durchstarten würde, kam für ihn nicht völlig überraschend. „Natürlich war das von Anfang an die Hoffnung und die Intention hinter dem Song. Bianca hatte schon vorher mit ihren Videos enorme Reichweiten. Wir wussten, dass Humor, Dialekt und ihre Kunstfigur gut funktionieren können.“ Sein Erfolgsrezept klingt dabei erstaunlich einfach: „Der Text musste witzig und eingängig sein, der Refrain sofort hängen bleiben und trotzdem sollte er Sinn ergeben. Dazu kam die Choreografie, die das Männerballett Fohnsdorf tanzt, und am Ende hat einfach alles zusammengepasst.“
Seit fast 30 Jahren Musik im Blut
Michael Gritzners Musikkarriere startete bereits 1997. Damals lief sein erster selbst komponierter Titel im österreichischen Radio. Seitdem hat sich viel verändert. Aus dem Musiker wurde ein ausgebildeter Audio Engineer und Produzent, der für Künstler wie Melissa Naschenweng, Marco Ventre, Udo Wenders, Meilenstein, Die Südsteirer und zahlreiche regionale Bands, wie Showdown, schreibt und Lieder produziert, wie etwa die VSV-Hymne. „Viele kommen zu mir und sagen: ‚Ich möchte mit meinem Song ins Radio.‘ Und oft schaffen wir das auch. Denn wenn Produkt, Künstler und Einsatz zusammenpassen, entwickelt sich schnell eine Eigendynamik. Aber dahinter steckt unglaublich viel Arbeit.“
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„Verbiegt euch nicht.“
Die Branche hat sich in den letzten Jahren extrem gewandelt. Musik kann heute innerhalb weniger Minuten mit künstlicher Intelligenz erstellt werden, was dazu führt, dass ein Überangebot da ist und die Menschen mit KI-Musik überschwemmt werden. Gerade aber wegen dieser Entwicklung sieht Michael die Zukunft wieder beim Echten. Sein wichtigster Rat an alle Kreativen ist deshalb: „Seid authentisch. Du kannst dich verbiegen, wie du willst, erfolgreich sind am Ende immer die Dinge, die ehrlich, eigenständig und einzigartig sind.“ Und selbst wenn eine Idee einmal nicht zündet? „Dann bin ich lieber mit etwas nicht erfolgreich, das mir trotzdem Spaß macht“, so der Musiker und Produzent.
Sein Appell, den er unseren Leserinnen und Lesern mitgeben möchte, geht deshalb weit über Musik hinaus: „Geht wieder auf Live-Konzerte, macht Musik miteinander und habt Spaß. Kreativ kannst du nur sein, wenn du auch selbst neue Eindrücke sammelst und Input erhältst.“
Und vielleicht ist genau das das Geheimnis hinter dem Sommerhit, der gerade so viele Menschen begeistert: Nicht ein perfekter Algorithmus, sondern echte Menschen und echte Ideen.
Infos zu Michael Gritzner
- Musiker, Songwriter und Produzent
- Betreiber des Tonstudios MIKE Records mit eigenem Label
- Erster selbst komponierter Radiosong bereits 1997
- Produziert und schreibt Songs für Künstler aus Schlager, Pop, Volksmusik und Country – unter anderem Melissa Naschenweng, Marco Ventre, Meilenstein, Udo Wenders und zahlreiche regionale Bands.
Der Song „I hol den Bagger“ – Die Puschl
- Text und Produktion: Michael Gritzner
- Entstanden aus der Idee rund um die bekannte Baumpflanz-Challenge
- Ein Song mit eingängigem Refrain, Dialekt und viel Humor