24. August 2026

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Wegziehen muss nicht für immer sein

Warum bleiben junge Menschen trotz schlechter Jobchancen? Eine Studentin über Heimat statt Abwanderung.
Inhalt:

Eine Kärntner Studentin über Heimat und fehlende Möglichkeiten in Oberkärnten

Vanessa (27) steht kurz vor dem Masterabschluss in Medical Biology in Salzburg. Trotz dünner Jobaussichten in ihrem Fach lebt sie weiter in Spittal und pendelt mehrmals wöchentlich. NOK+ traf sie, um mit ihr über die Gründe für die Heimatverbundenheit, fehlende Rückkehrperspektiven und den Wunsch nach einer medizinischen Forschungseinrichtung in Kärnten zu sprechen.

Warum bleibst du trotz mäßiger Berufsaussichten in Spittal, statt näher an Salzburg zu ziehen?

In erster Linie wegen meiner Familie. Ich bin ein sehr ländlicher Mensch, nicht so gern in der Stadt – für mich ist die ländliche Region einfach die bessere Variante zu leben, die Nähe zu Bergen und Seen sehr ich als einen wahnsinnigen Vorteil. Es war immer klar, dass ich in Oberkärnten leben möchte, auch wenn ich für die Ausbildung erst wegziehen musste. Überraschend war, wie stark mich mein familiäres Umfeld hält, seit meine zwei Neffen auf die Welt gekommen sind – das hätte ich mir vor 15 Jahren nicht gedacht.

Wie viele aus deinem Freundeskreis von früher sind geblieben, wie viele gegangen?

Der Großteil ist weggezogen, nur wenige sind geblieben – bei uns gibt’s halt schon während des Studiums weniger Möglichkeiten, nebenbei zu arbeiten, Praktika oder Werkstudentenjobs zu machen. Das Studienangebot in Kärnten ist im Vergleich zu Wien oder Graz nicht so breit gefächert. Aber ich sehe in meinem Freundeskreis, dass im Sommer alle wieder gerne heimkommen, es gibt bei uns einfach die Natur mit perfekten Freizeitsportmöglichkeiten, das hat man in Wien bspw. nicht so schnell vor der Haustür.

Wie stehen deine eigenen Chancen, in deinem Feld in Oberkärnten Fuß zu fassen?

Eigentlich gleich null. Selbst auf ganz Kärnten ausgeweitet gibt es für akademische Forschung, vor allem in den Naturwissenschaften, praktisch kein Angebot. Ich werde eher Abstriche bei der Jobwahl machen müssen, vor allem in meinem Bereich ist es in den letzten Jahren immer schlimmer geworden. Ich dachte eigentlich, dass bspw. eine Pandemie wie Covid eher dazu beitragen müsste, dass sich im Bereich Immunologie und Forschung etwas tut, aber das Gegenteil ist bei uns in der Region der Fall.

Wenn du der Region einen Wunsch freistellen könntest, um junge Leute zu halten – was wäre das?

Für mich persönlich gäbe es einen sehr egoistischen Wunsch: eine medizinische Forschungseinrichtung, eine medizinische Universität. Damit wäre man nicht nur attraktiver für Studierende, sondern auch für Unternehmen – Forschung besteht immer aus großen Netzwerken. Auch für den Fachkräftemangel wäre das gut: näher am aktuellen Wissen, dadurch attraktiver für eine Rückkehr – und gleichzeitig eine bessere Versorgung am Land durch mehr Ärztinnen und Pflegepersonal, gerade wegen der alten Leute und wenigen Hausärzte. Dadurch könnten Arbeitsplätze in ganz unterschiedlichen Bereichen entstehen.

Die berufliche Infrastruktur fehlt, wie sieht es in anderen Bereichen aus? Wie bewertest du das Wohnungsangebot?

Wohnen ist schon ein sehr wichtiger Punkt. Für Personen, die wie ich in ländlichen Regionen aufgewachsen sind, ist es vielleicht noch einmal wichtiger als für Personen aus urbanen Regionen, sich ein Eigenheim zu schaffen. Viele von uns sind in einem solchen aufgewachsen, da hat man einfach mehr Platz als in einem Wiener Innenstadtbezirk. Aber gleichzeitig kann sich bei uns kaum jemand ein Eigenheim mehr leisten. Bei den Mieten ist es aktuell auch nicht besser, es wäre schön, wenn es wieder leistbares Mietwohnen geben würde. Vor allem für Studenten ist es in Kärnten sehr schwierig, es gibt keine „Starter-Wohnungen“ oder dergleichen, die leistbar wären.

Was macht die Region schon gut, was fehlt komplett?

Man ist bemüht, mehr Freizeitangebote zu schaffen, und die Vereinskultur bei uns, vor allem in Oberkärnten, ist für viele junge Menschen sicher ein Grund, gern hier zu sein. Trotzdem gelingt es nicht, junge Leute zu halten – wir haben viel mehr alte als junge Menschen, bei der Kinderbetreuung bspw. sind wir sicherlich weit hinter den großen Städten. Nicht das Wegziehen ist das Problem, sondern die fehlende Rückkehrperspektive. Die Mobilität spielt dabei auch eine Rolle. Wenn ich jetzt aus einer sehr ländlichen Region wie dem oberen Mölltal komme, ist es dann noch einmal schwieriger, von A nach B zu kommen. Die Situation an einem Verkehrsknotenpunkt – wie Klagenfurt -, wo man nach Graz pendeln kann, ist eine andere.

Was würdest du jungen Menschen raten, die überlegen, ob sie bleiben oder gehen sollen?

Wenn sich die Möglichkeit bietet, würde ich raten, den Schritt der Ausbildung zuliebe wegzuziehen, zu wagen – aber immer in Betracht ziehen, zurückzukommen. Für wen sollen denn neue Arbeitsplätze geschaffen werden, wenn niemand mehr eine Option sieht, überhaupt zurückzukommen? Es kann sich nichts verändern, wenn keine jungen Leute mehr kommen, keine junge Generation und keine jungen Gründer von Unternehmen. Es braucht neue Ideen, damit Innovationen zustande kommen, da ist es wichtig, dass die, die zurückkommen ihre Erfahrung und ihr Wissen teilen.
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