9. September 2026

News Oberkärnten

Die DaroDJs über das Damals und Heute des Oberkärntner Nachtlebens

Von legendären Disco-Nächten bis TikTok: Wie sich Feiern, Musik und Nachtleben verändert haben.
Inhalt:

Nächte, die wir nie vergessen und Musik, die Generationen verbindet. Die DaroDJs über das damals und heute des Oberkärntner Nachtlebens

Plattenspieler, volle Tanzflächen, legendäre Diskotheken und die größten Dance-Hits der 90er und 2000er: Roland Staudacher und Daniel Pucher haben das Oberkärntner Nachtleben über zwei Jahrzehnte hautnah miterlebt. Sie waren DJs, als man neue Musik noch auf Vinyl suchte, haben den Wandel der Clubszene erlebt und stehen heute wieder gemeinsam hinter dem DJ-Pult. NOK+ hat mit ihnen über die Nächte von damals gesprochen, über die Jugend von heute und die Frage, warum die Sehnsucht nach den “alten Nächten” offenbar noch lange nicht verschwunden ist.

Früher …

Wer in den 1990er- oder frühen 2000er-Jahren fortging, hatte keine Playlist am Smartphone, kein Spotify und keinen TikTok-Algorithmus, der den nächsten Hit vorsortierte. Wer Musik hören, tanzen und Freunde treffen wollte, musste raus. Und Möglichkeiten gab es genug. Roland Staudacher und Daniel Pucher sind beide in Oberkärnten groß geworden und schon früh in die damalige DJ-Szene eingestiegen. Für Daniel war der Weg zum DJ zunächst ein Zufall. In der G2 Club Diskothek in Lieserbrücke fiel ein DJ aus und Daniel sprang ein. „Das hat mir eigentlich besser gefallen als das Licht für den DJ zu machen“, erinnert er sich. Aus ein paar gespielten Nummern wurde eine Leidenschaft, die ihn bis heute begleitet.

Auch Roland fand im G2 zum DJing. Während seine Freunde auf der Tanzfläche standen, beobachtete er die DJs am Pult. „Ich war eigentlich den Abend über immer hinten beim DJ-Pult und habe zugeschaut, wie sie das machen.“ Aus Zuschauen wurde Ausprobieren und schließlich eine mehr als 20-jährige DJ-Geschichte und eine bis hetue andauernde Leidenschaft.

Das G2 war damals einer der großen Treffpunkte der Region. Dazu kamen zahlreiche weitere Lokale und Diskotheken. „Früher gab es ein viel größeres Angebot“, erinnern sich die beiden. Die Frage am Freitag- oder Samstagabend sei weniger gewesen, wohin man gehen wollte, sondern eher: „Kommen wir dort noch rein?“

Fotocredit: © NOK+, Sabrina Staudacher

Zwei Plattenspieler und ein Koffer voller Musik

Für die Generation, die heute mit Spotify und Streaming aufgewachsen ist, klingt die damalige Fortgeh- und DJ-Welt beinahe wie aus einer anderen Zeit. Plattenspieler, später CDs und gebrannte Rohlinge, so sah das Equipment aus. Neue Musik war nicht einfach einen Klick entfernt: „Wir sind oft nach Italien gefahren, um dort Platten zum Auflegen zu kaufen, weil wir sie in Kärnten nicht bekommen haben. Das kannst du dir heute gar nicht mehr vorstellen“, sagen Daniel und Roland.

Aufgelegt wurde mit Plattenspielern und Vinyl, Tempo, Übergänge und alles weitere wurde mit den Händen gesteuert. Jeder DJ musste seine Musik kennen und sein Handwerk beherrschen. Wofür früher große Plattenkoffer benötigt wurden, das findet sich heute auf einem USB-Stick. Die Technik bietet unzählige Möglichkeiten, gleichzeitig ist der Zugang zur Musik einfacher denn je. Und genau das ist eine der Veränderungen, die die beiden mit einem gewissen Augenzwinkern betrachten. Denn auch die DJ-Szene ist heute eine andere.

Fotocredit: © NOK+, Sabrina Staudacher

Vom DJ-Pult zu Tik-Tok

In den Anfangsjahren der beiden Ende der 90er, Anfang der 2000er Jahre, gab es rund um Spittal eine regelrechte DJ-Community. Man kannte sich, beobachtete einander und lernte voneinander. Heute reicht gutes Auflegen allein oft nicht mehr aus, sagen sie. „Es wird fast wichtiger, dass du einen Top-Social-Media-Auftritt und auch ein Social-Media-Team hast, als super aufzulegen“, lautet ihre kritische Einschätzung. Instagram und TikTok haben die Möglichkeiten für DJs verändert, sie machen Musik sichtbar, schaffen Reichweite und eröffnen neue Chancen. Gleichzeitig ist die Konkurrenz größer geworden. Viele wollen auflegen, teilweise für sehr wenig Geld.

Was einen guten DJ ausmacht, hat sich für Roland und Daniel trotzdem nicht verändert: Gespür. „Ein DJ muss sein Publikum lesen können“, sagen sie. Und manchmal bedeutet das auch, einen Song zu spielen, den man selbst vielleicht nicht ausgewählt hätte. Denn: „Du spielst nicht primär für dich, sondern du spielst für die Leute.“

Einmal Pause und zurück

Nach den ersten gemeinsamen Jahren und zahlreichen Auftritten in Diskotheken und bei Veranstaltungen in ganz Österreich wurde es um die beiden ruhiger. Familie, Hausbau und andere Lebensbereiche rückten in den Mittelpunkt. Die Liebe zur Musik blieb. Mit „Music for Charity“, Veranstaltungen gemeinsam mit dem Ladies Circle 5 Spittal und den Revival-Partys im G2 kam auch die Lust auf das DJ-Pult zurück. „Es hat mir wirklich gutgetan, wieder hinter dem DJ-Pult zu stehen, aufzulegen und gute Musik zu spielen. Genau die, mit der wir groß geworden sind“, erzählt Daniel. Heute wollen die beiden nicht jedes Wochenende irgendwo spielen. Sie suchen sich bewusst jene Veranstaltungen aus, die zu ihnen passen und die Musik, die ihnen selbst Freude macht, damit diese Freude auch beim Publikum ankommt.

Fotocredit: © NOK+, Sabrina Staudacher

90er und 2000er: Musik, die nicht verschwinden will

Ihr musikalischer Schwerpunkt liegt klar auf den 90ern und 2000ern. EDM, House und aktuelle Musik gehören ebenfalls dazu, aber die Songs ihrer Jugend sind etwas Besonderes. Das zeigte sich zuletzt eindrucksvoll beim heurigen Nova Rock Festival. Vor einem großen Publikum funktionierten die alten Dance-Hits auch auf einem Rockfestival. „Da hat man gesehen, wie die 90er- und 2000er-Musik noch einschlagen kann”, so Roland.

„Auch die Revival-Partys zeigen, wie groß die Sehnsucht nach dieser Zeit ist. Für die einen sind es die Songs ihrer Jugend, für die anderen eine Gelegenheit, Freunde von früher wiederzutreffen”, erzählt der gebürtige Lendorfer. Viele hätten mittlerweile Familie, ein Haus gebaut und andere Verpflichtungen. Bei einer Revival-Party könnten sie „sich wieder in die Zeit zurückversetzen, in der sie selbst im G2 oder anderen Lokalen unterwegs waren.”

Wo ist das Nachtleben geblieben?

Und trotzdem ist die Welt, in der die beiden groß geworden sind, verschwunden. Wo früher zahlreiche Lokale und Diskotheken geöffnet hatten, ist das Angebot heute deutlich kleiner. Die großen Diskotheken sind weitgehend Geschichte. Corona hat aus Sicht der DaroDJs zusätzlich eine Generation geprägt. Wer während der Pandemie gelernt habe, seine Freizeit zu Hause oder bei privaten Feiern zu verbringen, habe diese Gewohnheit teilweise beibehalten. Dazu kommen steigende Kosten und Personalprobleme vieler Lokalbetreiber sowie veränderte Freizeitgewohnheiten. Doch die beiden glauben nicht, dass die Jugend nicht mehr feiern will. Im Gegenteil. Kirchtage und größere Veranstaltungen sind nach wie vor gut besucht. „Die Jugend will wieder fortgehen. Sie will Spaß haben und was erleben. Das Angebot muss nur dementsprechend vorhanden sein”, sagen die beiden. Vielleicht liegt auch genau darin die Zukunft: nicht in der Rückkehr der großen Diskotheken, wie sie einmal waren, sondern in neuen Formen wie Pop-up-Partys, thematischen Events, Revival-Nächten und besonderen Veranstaltungen.

Fotocredit: © NOK+, Sabrina Staudacher

„Wir vermissen die alten Zeiten nicht – wir holen sie uns zurück“

Auf die Frage, was sie aus der alten Clubszene vermissen, kommt eine überraschend einfache Antwort: die Musik. Eigentlich aber auch die nicht, denn die DaroDJs holen sie sich zurück. Mit ihren Revival-Partys schlagen sie eine Brücke zwischen den Generationen: zwischen jenen, die in den 90ern und 2000ern selbst auf der Tanzfläche standen, und jenen, die heute mit Spotify, TikTok und Social Media aufwachsen. Das Nachtleben wird wahrscheinlich nie mehr genauso aussehen wie vor 20 oder 30 Jahren, aber vielleicht muss es das auch gar nicht. Denn eine volle Tanzfläche zeigt: Die Lust auf Musik, Gemeinschaft und eine gute Nacht ist noch immer da. Es braucht nur Orte und Veranstaltungen, an denen sie stattfinden können.

Ein persönliches Danke

Zum Abschluss unseres Interviews sprechen die DaroDJs ein großes Danke an all ihre Wegbegleiter aus, die ihre DJ-Geschichte und auch ihre Rückkehr hinter das DJ-Pult begleitet und möglich gemacht haben: an Franz und Renate, den damaligen Betreibern des G2, deren Mitarbeiterin Maria, Michi und Hannes, den heutigen Inhabern, dem Ladies Circle 5 Spittal, Barracuda Music und Stefan Kofler, der den Weg zum Auftritt beim Nova Rock mit ermöglicht hat. Und natürlich bei allen Party-Gästen, die die Veranstaltungen besuchen und die DaroDJs unterstützen.

Was kommt jetzt?

Die nächste Gelegenheit für eine musikalische Zeitreise gibt es bereits: Am 3. Oktober 2026 steigt die Revival Party 2.0 in der G2 Club Diskothek. Und eines ist nach unserem Gespräch klar: Die DaroDJs denken noch lange nicht ans Aufhören. Die Nächte von damals sind vielleicht Geschichte. Die Musik ist es noch lange nicht.

Die DaroDJs in Action

Fotocredit: © NOK+, Sabrina Staudacher

Eine schnelle Frage-und-Antwort-Runde mit den DaroDJs

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Video: © NOK+, Sabrina Staudacher

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