23. Juli 2026

News Oberkärnten

Violas Wahrheit über die Wahrheit #8

Im Namen des Glaubens, Teil #8

Unschuldig steht in Großbuchstaben im Tagebuch. Mit Ausrufezeichen. Als würde es dadurch wahrer werden.

30.3.1987: Meine Gefühle sind total durcheinander. Es wäre sooo schön, wenn er gleiche Gefühle für mich haben würde. In mir findet ein Kampf der Gefühle oder so statt. Ich habe überhaupt keine Ahnung mehr, was ich tun bzw. wie ich mich verhalten soll. Eines kann ich aber mit Sicherheit von mir sagen: Ich bin nicht blind vor Liebe. Aber es ist trotz allem toll, verliebt zu sein.

Nicht blind vor Liebe. Dieser Satz einer Vierzehnjährigen hat mehr Selbstreflexion als so manche Erwachsene aufbringen. Viola weiß, was sie fühlt – und sie weiß gleichzeitig, dass Gefühle trügen können. Dass Paul und das Bild von Paul vielleicht zwei verschiedene Dinge sind.

Tagsüber Mathe lernen, Zeugnis geben, das Paradies-Buch studieren, aber Nachts tut sich in Violas Träumen eine andere Welt auf.

1.4.1987: Sonst war nichts los, außer, daß ich viel träumte von Griechenland und IHM. Und das war echt schön. Oder so…

3.5.1987: Bevor ich wach wurde, träumte ich ganz komische Dinge. Ich machte meinem Bruder einen Krawattenknopf, kriegte aber keinen zusammen. Da kam Daniel und half mir. Plötzlich kitzelte mich jemand. Aber es fühlte sich so komisch an. Dann war ich vor einem Haus. Ich stand nahe am Wasser. Maria stieß mich ins Wasser. Während ich tiefer sank, hörte ich ein gräßliches Lachen. Was soll das alles bedeuten? Ich habe Angst vor dem Unbekannten, das vor mir liegt. Wer kann mir helfen?

Der Tod durch Ertrinken ist wohl eine schreckliche Vorstellung für die meisten Menschen. In Violas Traum wird der Schrecken durch die Hand, die nicht hilft, sondern stößt, verstärkt. Ihre Träume sind wohl keine zufälligen Bilder, sondern das, was sie sich nicht traut, auszusprechen: Angst, Verwirrung und das Gefühl, dass irgendetwas an diesem Leben nicht stimmt.

Zwischen all dem: der Alltag. Kino, Eis essen, Ausflüge an den See, Besuche bei anderen Zeugen Jehovas in der Umgebung. Violas Tagebuch ist voll von kleinen Unternehmungen, von Leichtigkeit und Lachen – aber stets im selben Kreis. Immer dieselben Gesichter, immer dieselbe Gemeinschaft. Klassenkameradinnen? Schulfreunde? Kein einziger Eintrag. Die Welt außerhalb existiert für Viola schlicht nicht.

 

In der nächsten Folge: Der Sommer kommt. Und mit ihm – Paul.

Originaltagebucheintrag

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