11. Juli 2026

News Oberkärnten

Violas Wahrheit über die Wahrheit #5

Im Namen des Glaubens, Teil #5

Das Tagebuch wird zum einzigen Vertrauten. Nicht weil es zuhört, sondern weil es nie urteilt.

Das Tagebuch wird zum einzigen Vertrauten. Nicht weil es zuhört, sondern weil es nie – wie die anderen aus der Gemeinschaft der Zeugen Jehovas – urteilt.

30.6.1986: Liebes Tagebuch! Ich muß dir etwas wichtiges anvertrauen. Daß ich sehr verliebt bin, weißt du ja schon. Mich quält die jedoch die Frage: Liebt er mich auch? Was soll ich tun? Ich hätte so gerne Gewissheit. Ja oder Nein. Ich weiß, daß ich noch nicht alt genug bin. Aber ich möchte trotzdem von den anderen Jugendlichen respektiert und nicht wie ein Kind, daß um 8 Uhr im Bett sein muß, behandelt werden.

Meine Probleme kann ich sowieso nur dir anvertrauen. Aber das stört mich irgendwie. Ich möchte dich nicht kränken. Aber ich brauche eine Antwort. Fragen und Ungewissheit quälen mich. […] Ich kann ihn nicht fragen, weil ich Angst habe, daß Paul lachen würde. Und das wäre das Ende. Verstehst du mich? Hörst du mir zu? Ich brauche dich und Paul! […] Machst du mir einen Gefallen? Verlass mich nie, was auch passiert. Okay? Danke!

o.D. 1986: Denn ich möchte eine Frau – SEINE FRAU werden! Hoffentlich! Nur seine!

18.10.1986: Am Abend war ich in der Versammlung der Zeugen Jehovas. Es wurde ein Film vom Saalbau gezeigt.

4.1.1987: Etwas hat sich verändert. Ich liebe Paul immer noch, aber auch ich hab mich verändert. Ich bin nicht mehr das schüchterne Mädchen von gestern. Ich habe mich zu einem vollwertigen Menschen mit Gefühlen hochgeackert.

Viola lernt im Winterurlaub einen anderen Jungen kennen, der ihr gut gefällt – Daniel. Daniel scheint für Viola Gefühle zu hegen, die sie aber nicht erwidert, weil ihr Herz noch immer an Paul hängt. Ihr “Verhalten” wird dennoch in der Gemeinschaft argwöhnisch betrachtet: 6.2.1987: Erich sprach von “verhautem Image” von mir in der Versammlung.

7.2.1987: Am Vormittag in der Versammlung war ich ziemlich down. Ich dachte über gestern und Paul nach. Paul gefällt mir gut und damit basta. Entweder er erwidert meine Gefühle, oder er tut es nicht. Es gibt kein vielleicht, wenn und aber. Eins ist klar: ich habe mich in ihn verliebt.

13.2.1987: Wir waren in der Therme. Erich, Angelika und Peppi redeten mit Erich über mein Image in seiner Versammlung! Ansonsten spielen wir fangen und tauchen. Ich verstehe gar nichts mehr!

Viola hat sich verändert. Sie selbst sagt es: nicht mehr das schüchterne Mädchen von gestern, sondern ein Mensch mit Gefühlen, der sich das mühsam erkämpft hat. Doch die Gemeinschaft der Zeugen Jehovas sieht das anders. Während Viola innerlich wächst, mehren sich die Blicke, die Kommentare, die Gerüchte. Ein „verhauenes Image“ – für was genau, bleibt offen. Für das Falsche gefühlt zu haben, vielleicht? Oder einfach dafür, sichtbar geworden zu sein.

 

In der nächsten Folge: Was passiert, wenn die Gemeinschaft urteilt – und das Mädchen, das nur geliebt werden wollte, plötzlich geächtet wird.

auf WhatsApp teilen
auf Telegram teilen
per Mail teilen
0 0 Bewertungen
Beitragsbewertung
Abonnieren
Benachrichtigen bei
0 Kommentare
Neueste
Älteste Meistbewertet

Das ist ein Platzhalter. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf den Button unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

Weitere Informationen
0
Wie ist deine Meinung zu diesem Thema?x